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Stahlbaupreis 2012

01Stahlbaupreis2012

Museum der Bayerischen Könige, Hohenschwangau

 

Architekt:
Staab Architekten, Berlin

 

Stahlbau:
Prebeck Stahl- und Anlagenbau, Bogen

 

Bauherr:
Schlosshotel Lisl, Hohenschwangau

 

Das Projekt „Museum der Bayerischen Könige“ stellte auch den Stahlbau in seiner praktischen Ausführung vor zahlreiche Herausforderungen.

 

Fertigung

Neben den konstruktiven Anforderungen an die zeichnerisch komplexe Darstellung der Tragwerksausführung innerhalb der Werkplanung, galt es vor allem eine gleichmäßige Formgebung der Tragstäbe zu gewährleisten.  Hierbei war zu gewährleisten, dass sowohl die gebogene als auch die tordierte Kontur der Stahlblechzuschnitte mit höchster Toleranz in wirtschaftlicher Serie gefertigt werden konnte. Die Formgebung der Zuschnitte bildete die elementare Basis der optischen Anforderungen an die spätere Gewölbeform, da die im Rautenmuster zusammengefügten Felder den sichtbaren Rahmen für die Beleuchtungsfelder dar-

 

stellten. Dies bedeutete, dass zwischen Rautenstab und Beleuchtungsfeld eine gleichmäßig umlaufende Fuge von 5mm gewährleistet werden musste. Durch ausgeklügelte Ingenieurskunst mit handwerklichem Geschick wurde eine spezielle Technik entwickelt, die diese gleichmäßige Verformung ermöglichte. Mit speziellen Schablonen wurde eine gleichmäßige Qualität gewährleistet. Eine weitere Herausforderung an Optik und Toleranz stellte auch das Ausschweißen des Tragwerks dar. Durch das Zusammenbauen von kleinen Rautenfeldern zu den großen Tonnengewölben, musste in jedem Knotenpunkt auf allen vier Seiten

 

das Tragwerk verschweißt werden. Hierbei galt es sowohl den maßlichen Verzug der Felder durch die Wärmeeinbringung in den Schweißstößen zu minimieren, als auch die optisch geforderte Gleichheit der Schweißnähte durch ständig wechselnden Schweißpositionen im Gewölbeverlauf zu erreichen. Mit qualifiziertem Schweißpersonal und einer ausgeklügelten Schweißfolge konnte auch hier ein einzigartiges handwerkliches Ergebnis erreicht werden, das in Knotenpunkten des Gewölbes sichtbar ist.

 

Montage

Um eine kürzest mögliche Montagezeit zu gewährleisten, wurde von Beginn an eine größtmögliche Bauteilgröße der Tunnelgewölbe angestrebt. Hierbei waren sowohl die Fertigungsinfrastruktur, sowie zulässige Sondertransportgrößen als auch die Streckenführung der Zugangswege zur Baustelle maßgebliche Einflussfaktoren. Schlussendlich wurde beschlossen jeweils die See und zum Berg gelagerten „Vierteltonnen“ als gesamtes Konstruktionselement zu transportieren. Die mittlere „Halbtonne“, das Kernstück des zukünftigen „Saals der Könige“, musste jedoch in fünf Einzelsegmenten  antransportiert und montiert werden. Durch die Vorfertigung des mittleren Gewölbe-

 

ganges als Ganzes  im Werk und dem Teilen in transportfähige Einzelsegmente wurde der Montageaufwand vor Ort minimiert.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der häufig beim Bauen im Bestand berücksichtigt werden muss, ist die provisorische Abdichtung von Dachbereichen im Rahmen der Baumaßnahmen. Auch bei diesem Projekt musste der Bereich in dem das Gewölbedach montiert werden sollte, vorab geschützt werden. Um den Bauherren Kosten zu sparen und die Bauzeit für die Fertigstellung des Daches zu verkürzen, wurden die einzelnen Gewölbesegmente bereits im Werk mit dem vorgesehen Dachaufbau  – Trapezblech und Abdichtungsbahnen –  versehen. Durch diese Maßnahme konnte die

 

vollständige Dachabdichtung vor Ort in kürzester Zeit montiert und die provisorische Abdichtung der vorhandenen historischen Decken im Bestand zum Weiterführen der anderen Gewerke entfernt werden.
Neben den technischen und logistischen Herausforderungen bestand der Prebeck GmbH gegenüber dem Hause Wittelsbach zusätzlich eine besondere historische Verpflichtung. Die Geschichte der Stadt Bogen, der Heimatstadt des Bayerischen Rautenwappens und dem Firmensitz des Unternehmens, ist eng mit der Geschichte der Wittelsbacher verflochten. So wurde durch die Heirat von Ludwig dem Kehlheimer mit der Gräfin Ludmilla von Bogen, die bayerischen blau weißen Rauten Bestandteil des

 

Wittelsbacher Wappens. Die Stahlbauer sahen sich daher besonders geehrt aber auch verpflichtet, eine dem Hause Wittelsbach und dem „Museum der Bayerischen Könige“ würde Leistung zu erbringen. Durch eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen Bauherrn, Architekten, Tragwerksplanern, ausführendenden Ingenieuren und handwerklich geschickten Stahlbauschlossern konnte ein einmaliges Bauwerk realisiert werden, das mit dem „Saal der Könige“ durch die rautenförmige Gewölbestruktur neben architektonischer Schönheit auch historische Identität mit dem Bauherren und dem Land Bayern verbindet.